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Donnerstag, 29. Januar 2015

"Privatisierung" in Griechenland

Quelle: Link


Norber Häring schreibt:   
Hier empfangen die (ehemaligen) Putzfrauen des Finanzministeriums begeistert ihren neuen Minister, der mitgeteilt hat, dass er sie wieder einstellt. Das hatte schon vor langer Zeit ein Gericht verfügt, aber in Zeiten der Troika gelten die Gerichte in Athen nicht mehr viel. Varoufakis Vorgänger hat das Urteil einfach ignoriert. Und nun also wird der Staat wieder bluten müssen?! Nicht wirklich. Das Finanzministerium wurde nämlich unter Varoufakis Vorgänger auch noch geputzt, und zwar nicht von den Beamten, sondern von einer privaten Firma, die die entlassenen Putzfrauen ersetzte. Und die war weitaus teurer. Aber das machte nichts. Hauptsache der von der Troika geforderte Personalabbau und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes wurden umgesetzt.
und James Galbraith bemerkt (via Mark Thoma):
Hier ein Beispiel, über das ich ein wenig Bescheid weiß: Die kleinen griechischen Inseln haben jede ihr eigenes Elektrizitätswerk. Das ist bei Inseln nun mal so. Alle sind Monopole. Wenn man zulässt, dass diese Monopole an ausländische Investoren verkauft werden um die Schulden zu bedienen, werden die Bewohner der kleinen Inseln den kleinen Elektrizitätsmonopolen ausgeliefert. Das ist aus volkswirtschaftlicher Sicht keine besonders gute Idee und hat auch nichts mit Wirtschaftswachstum zu tun ...

Leider hat die Troika durch missverstandene "marktwirtschaftliche" Reformen  die Marktwirtschaft in Griechenland wohl nachhaltig in Verruf gebracht. Das dürfte in der Tat dem wirtschaftlichen Wachstum auf die Dauer nicht zuträglich sein.

Montag, 12. Januar 2015

Ein doppelt teurer Spass

In einer interessanten Studie ist Lars Svensson der Frage nachgegangen wie hoch die ökonomischen Kosten sind die daraus resultieren, dass die Inflationsrate für einige Zeit unter dem Zielwert von 2 Prozent lag, wie das das in Schweden (wie auch in Deutschland) der Fall war. Er kommt zu dem Schluß, das diese Kosten ziemlich hoch waren:

Die durchschnittle Inflation [von 0,6 Prozent unter dem Zielwert von 2 Prozent] hat für den fünfzehnjährigen Zeitraum 1997-2011 einen Beschäftigungsverlust von 0,8 Prozent bedeutet ... völlig unabhängig von den Ursachen für diese Zielverletzung...  Dieser Beschäftigungsverlust über 15 Jahre hinweg war unnötig.

Der Hintergrund sei, so argumentiert der Verfasser, dass ein Zentralbankziel von 2% die Inflationserwartungen auf 2% stabilisiert, selbst dann, wenn die diese Inflationsrate unterschritten wird. Damit wird der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation sehr schwach. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass relativ große Beschäftigungserhöhungen nur mit relativ geringen Inflationssteigerungen einhergehen. Eine geringfügig höhere Inflationsrate erlaubt mithin relativ ausgeprägte Beschäftigungserhöhungen.

In Deutschland dürfte es ähnlich sein. Die schwarze Null ist auch in dieser Hinsicht ein teurer Spaß. Für Deutschland kommt hinzu, dass die zu geringe Inflationsrate gegenüber der europäischen Zielvorgabe von 2% und dem europäischen Durchschnitt die Exportsituation der anderen europäischen Staaten verschlechtert und mithin den europäischen Partnerländern unnötige Kosten aufbürdet.

Anmerkung: Technisch gesprochen macht ein glaubwürdiges Inflationsziel die Phillipskurve flach, wie auch schon Freedman, Harcourt und Kriesler argumentiert haben.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Stiglitz zur Wirtschaftspolitik in Deutschland

Die Huffington Post berichtet über Stiglitz' Stellungnahme zur verfehlten deutschen Wirtschaftspolitik. Er befürwortet eine europäische Bankenunion und Eurobonds, weist auf die katastrophalen wirtschaftlichen Konsequenzen der Sparpolitik hin und bemerkt zutreffend dass die Rekord-Außenhandelsüberschüsse  nur die Kehrseite der schwachen Binnennachfrage und der schlechten wirtschaftlichen Performance Deutschlands sind. (Bei höherer Binnennachfrage in Deutschland wären die Importe höher und damit die Exportüberschüsse geringer. Außerdem wären die Exporte anderer Länder dann höher und deren Exportüberschüsse würden zunehmen, oder deren Exportdefizite würden sich verringern.)
Sehr lesenswert! Ich kann nur beipflichten.
Übrigens hat sich Stiglitz auf dem Nobelpreisträgertreffen in Lindau auch zur Ungleichheitsdebatte um Piketti geäußert, ziemlich ähnlich wie ich in einem früheren Beitrag.