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Freitag, 10. Juli 2015

Paul Krugman zieht eine Lehre aus dem Griechenland-Drama

Paul Krugman zieht eine Lehre aus dem Griechenland-Drama, die leider für Griechenland nicht anwendbar ist:
Es ist mittlerweile klar, oder sollte klar sein, dass das Hilfsprogramm für Griechenland ohne Schuldenentlastung zum Scheitern verurteilt war, denn die Austerity lässt das Bruttoinlandsprodukt schneller schrumpfen als die Schulden, sodass die Schuldnerposition sich verschlechtern musste, ungeachtet dessen dass der angestrebte Budgetausgleich großes Leid nach sich zog.
Es gibt aber eine allgemeine Lehre aus dem Griechenland-Desaster, die für uns alle gilt -- und zwar nicht die übliche, dass wir unsere leichtsinninge Ausgabengewohnheiten aufgeben sollten wenn wir nicht eines Tages wie Griechenland dastehen wollen. Wir lernen vielmehr, dass die Kombination von Haushaltsrestriktion und stabiler Währung eine tödliche Mischung ergibt. Die Haushaltsrestriktion führt die Wirtschaft in Depression und Deflation; wenn dies mit einer stabilen Währung kombiniert wird (im Falle Griechenland der Euro, aber ein fester Wechselkurs, der Goldstandard oder eine obsessive Furcht vor Inflation tut's auch), ist das Ergebnis nicht einfach nur eine Deflation, sondern auch ein Anstieg der Schuldenquote.
Zum Vergleich kann man das beliebte Beispiel einer erfolgreichen Austritätspolitik anschauen, Kanada in den neunziger Jahren. Kanada begann mit eine Staatsschuldenquote von ungefä 100 Prozent, ungefähr so wie Griechenland zu Beginn der Finanzkrise. Kanada vollzog dann eine ziemlich große fiskalische Anpassung -- 6 Prozent nach dem Mass des Internationalen W#ährungsfonds für den strukturellen Saldo. Das ist ungefähr ein Drittel von dem, was Griechenland geschafft hat, aber größenmäßig durchaus vergleichbar mit den Restriktionsmaßnahmen anderer europäischer Schuldnerländer. Die Arbeitslosigkeit in Kanada verringerte sich stetig. Was war das Geheimnis Kanadas?
Die Antwort ist: Eine Politik des leichten Geldes und eine massive Abwertung des kanadischen Dollar. Diese Abwertung hat den kontraktiven Effekt der Austeritätspolitik aufgefangen und Wachstum ermöglicht ...
Für Griechenland im Euro ist das nicht möglich (außer mit regionaler Lohnindexierung, aber das ist wohl keine realistische Option - warum eigentlich?).  So können wir nur hoffen dass die von Juncker versprochenen Mittel aus dem Regional- und Strukturfonds und sein Konjunkturprogramm eine zusätzliche Nachfrage in Griechenland schaffen, die die kontraktiven Wirkungen der Austeritätsmassnahmen überkompensiert. Sonst stehen wir bald schlechter da als jetzt.

Vielleicht kann man aber auch durch Einflussnahme auf die kollektiven Lohnverhandlungen einiges bewerkstelligen. Die Eurogruppe könnte Richtlinien für die Lohnsteigerungen in den Mitgliedsländern ausgeben, um Fehlentwicklungen bei den Löhnen im Euroraum vermeiden. Man kann sich hier an den Target-Salden orientieren: Länder mit positivem Saldo sollten Lohnsteigerungen anstreben, Länder mit negativen Target-Salden sollten Lohnzurückhaltung bewerkstelligen, und die Tarifparteien sollten veranlaßt werden, diesen Richtlinien zu entsprechen. Auf jeden Fall: Deutschland verursacht hier ein größeres europäisches Problem als Griechenland. Es sollte sich schämen, von Griechenland Austerität einzufordern, welche ohne die massiv unsolidarische deutsche Lohnentwicklung nicht, oder jedenfalls nicht in diesem Ausmaß, erforderlich wäre.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Paul Krugman würde gegen das Angebot der Institutionen stimmen

Paul Krugman:
Ich würde nein stimmen, aus zwei Gründen. Erstens, und ungeachtet dessen dass jeder wie ich selbst auch Angst vor ein Ausstieg aus dem Euro hat, fordert die Troika dass die Politik der letzten fünf Jahre unbegrenzt fortgesetzt wird. Welche Hoffnung bleibt da noch? Vielleicht, wirklich nur vielleicht, könnte die Bereitschaft, den Euro aufzugeben ein erneutes Nachdenken anstoßen; aber wahrscheinlich eher nicht. Aber wie dem auch sei, eine Abwertung kann nicht mehr Chaos bringen als bereits existiert und würde den Weg für eine wirtschaftliche Erholung vorbereiten, wie anderswo. Griechenland ist nicht so anders.
Zweitens sind die politischen Wirkungen einer Zustimmung ausgesprochen beunruhigend. Die Troika hat einen umgekehrten Corleone hingelegt - sie haben Tsipras ein Angebot gemacht das er nicht annehmen konnte, und wahrscheinlich waren sie sich dessen voll bewusst. Insofern war das Ultimatum letztlich ein Schachzug mit dem Ziel, die Griechische Regierung zu stürzen und durch eine neue zu ersetzen. Selbst wenn man Syriza nicht mag, muss das für jeden befremdlich sein der  europäische Ideale vertritt.
Ich muss sagen dass ich diese Position schlüssig finde und dass ich ebenso mit nein stimmen würde, wäre da nicht das von Juncker in Aussicht gestellte Konjunkturprogramm und die Strukturhilfen von 32 Milliarden Euro über 4 1/ Jahre aus dem Regional-und Strukturfonds, von denen Krugman möglicherweise nichts weiß. Ich denke deshalb, dass ein Ausstieg Griechenlands kurzfristig wesentlich schmerzhafter für Griechenland wäre als ein Verbleib mit Austerity, aber mit diesem Konjunkturprogramm und diesen Strukturhilfen. Das wäre dann, jedenfalls bei Erfolg, ein Muster auch für die anderen Länder, denen man dann auf gleiche Weise helfen müsste. Deshalb würde ich mit ja stimmen, auch wenn dies die langfristigen Probleme nicht löst. Aber vielleicht findet sich dafür, nachdem das klar ist, auch eine Lösung.

Dienstag, 27. Januar 2015

Das Stillhalteabkommen für Griechenland


Paul Krugman schreibt:
Für die morgige Kolumne habe ich das ursprüngliche Stillhalteabkommen von  Mai 2010 angeschaut um zu sehen, was die Troika zu Beginn der Restriktionspolitik gefordert  und was sie prognostiziert hatte, und was dann tatsächlich geschehen ist.
Vorweg: Ich treffe oft Leute die glauben, dass Griechenland niemals eine ernsthafte Restriktionspolitik durchgeführt hat. Vermutlich basiert das auf Klischees über nationales Verhalten oder dergleichen, denn tatsächlich sind  die Zahlen sehr beeindruckend. Die folgende Graphik gibt die prognostizierten und die tatsächlich realisierten Staatsausgaben (ohne Zinszahlungen)  sein 2010. Weil die Troika ihre Forderungen immer weiter verschärft hat, waren die griechischen Ausgaben deutlich niedriger als prognostiziert -- die Restriktionspolitik war wesentlich härter als zunächst anvisiert worden war.




International Monetary FundCredit
Wie kann es also sein, dass Griechenland immer noch Schuldenprobleme hat? Das ursprüngliche Abkommen ging von einer kurzen und nicht besonders ausgeprägten  Rezession aus, die dann in einen Aufschwung übergehen sollte -- nichts wie die tatsächlich erfolgte Depression und Deflationierung. Natürlich hat der Zusammenbruch bei Bruttosozialprodukt die Steuereinnahmen reduziert und den Schuldenstand (Staatsschulden/GDP) erhöht.




International Monetary FundCredit
 
 
Übrigens: Die Arbeitslosigkeit sollte einen Spitzenwert von 15 Prozent nicht überschreiten und keineswegs 28 Prozent erreichen. Wie hat die Troika sich bloß so verrechnen können? Im Frühjahr2010 haben die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission mit voller Überzeugung die These von der expansiven Restriktionspolitik vertreten, und dass Ausgabenkürzungen der griechischen Wirtschaft nicht schaden würden, weil dann wie von Feenhand das Vertrauen in die Zukunft wiederhergestellt würde.  Der IMF ist nicht so weit gegangen, aber hat einen unrealistisch geringen Multiplikator angesetzt, der aus historischen Phasen der Restiktionspolitik, aber ohne Berücksichtigung der monetären Gegebenheiten abgeleitet worden war. Genau die selben Leute, die die Wirkungen der Restriktionspolitik  so völlig falsch gesehen haben, ermahnen die Griechen nun, realistisch zu sein.
Den Griechen sind die falschen wirtschaftspolitischen Maßnahmen ("expansive Restriktionspolitik" wie Krugman das ironisch nennt) von der Troika aufgezwungen worden. Damit trägt die Troika ein gerüttelt Maß an Verantwortung für die gegenwärtige Lage. Die Griechen haben brav ihre Hausaufgaben gemacht und sich nicht gewehrt. Nun tun sie es. Ich finde das nicht verwunderlich.

Markus Söder meint im Spiegel-Interview:
Die Forderung nach einem Schuldenschnitt bringt nichts. Die Reformen müssen fortgeführt werden. Denn alle weiteren Auszahlungsraten hängen doch davon ab, ob Athen die erforderlichen Bedingungen einhält. Das gilt schon für die nächste Rate von zehn Milliarden Euro. Die kann nur gezahlt werden, wenn Griechenland die Verträge einhält. An dieser Stelle ist Konsequenz erforderlich.
Ich finde das nicht richtig. Wenn man falsche Ratschläge gegeben und deren Befolgung erzwungen hat, muss man auch die Verantwortung dafür tragen. Ich würde mich weigern, eine Fehlbehandlung fortzusetzen, die entgegen den Erwartungen des Arztes keine Besserung, sondern tatsächlich eine Verschlechterung gebracht hat. Herr Söder würde sich vermutlich, wie jeder vernünftige Mensch, genauso verhalten. Die bisherige Politik sollte nicht, wie Söder das möchte, fortgesetzt werden. Sie hat ja nicht nur in Griechenland versagt, und auch Deutschland ginge es besser, wenn vernünftige Konjunkturpolitik gemacht würde. Wir brauchen nicht nur eine europäische Geldpolitik, sonder auch eine europäische Fiskalpolitik. Der Vertrag von Maastricht schließt jedoch eine sinnvolle Fiskalpolitik aus.

Freitag, 25. Juli 2014

Restriktive versus expansive Politik: Kansas und Kalifornien.

Hier ein Post von Paul Krugman, der die Wirkungen restriktiver und expansiver Politik gegenüberstellt, in Auszügen:
Die US-Bundesstaaten sind, wie Richter Brandeis bekannterweise bemerkt hat, die Laboratorien der Demokratie ... Kürzlich ist Kansas auf eine radikale angebotsorientierte Wirtschaftspolitik umgeschwenkt und hat die Steuern für die Reichen gesenkt, in der Hoffnung, damit die Initialzündung für einen großen Aufschwung zu geben. Der Aufschwung blieb aus, aber das Haushaltsdefizit ist explodiert -- ein Lehrbeispiel für alle, die willens sind, aus der Erfahrung zu lernen.

Es gibt noch eine größeres, aber nicht so drastisches Experiment in der anderen Richtung. Kalifornien hat lange unter politischer Lähmung gelitten ... Im Jahre 2012  wurden die Demokraten hinreichend stark um die zuvor von der republikanischen Minderheit erzwungene Blockade zu brechen. Gouverneur Jerry Brown war in der Lage, einige Maßnahmen, wie höhere Steuern, zusätzliche  Staatsausgaben und eine Erhöhung des Mindestlohnes durchzusetzen. ... 

Wie zu erwarten haben die Konservativen den Weltuntergang vorhergesagt. .... Aber was ist tatsächlich passiert? Ich bedaure: kein Anzeichen einer Katastrophe. Falls die Steuererhöhungen eine große Flucht aus Kalifornien verursacht haben sollten, kann man dies jedenfalls nicht in den Statistiken sehen. In den letzten 18 Monaten ist die Beschäftigung um 3,6% gestiegen. Zum Vergleich: In den USA insgesamt ist die Beschäftigung in diesem Zeitraum um 2,8% gestiegen. ...

Und übrigens, der kalifornische Staatshaushalt weist wieder einen Überschuss aus. ...

Der kalifornische Erfolg zeigt: Der ideologische Extremismus, der immer noch weite Bereichen der amerikanischen Politik dominiert, ist Unsinn.

Montag, 22. April 2013

Krugman zum Ausrutscher von Reinhart und Rogoff

Paul Krugman bemerkt zum Reinhard-Rogoff-Komplex:
Was die Wahrscheinlichkeit betrifft, mit der das Reinhart-Rogoff-Fiasko irgendetwas in der Politik bewirken würde, war ich ziemlich zynisch und ich hege immer noch meine Zweifel. Ich frage mich aber, ob ich vielleicht nicht zu zynisch war -- oder jedenfalls zynisch in falscher Richtung. Meine dumpfes Gefühl ist, dass das Debakel die öffentliche Diskussion doch ziemlich stark verändert, sogar bei den bewussten wohlbetuchten Herren. Der  Fehler in der Excel-Tabelle hat es bewirkt. ....
Wenn Olli Rehn, George Osborne oder Paul Ryan das nächste Mal moralisierend verkünden, dass wir konsolidieren müssen weil ernst zu nehmende Ökonomen (d.h. nicht Krugman und seine Freunde) sagen, dass Staatsschuld eine schlimme Sache ist, werden die Zuhörer kichern -- was sie eigentlich schon immer hätten tun sollen. Aber nunmehr ist das sozial akzeptabel.
Statt Rehn, Osborne oder Ryan kann man bezüglich der deutschen Debatte vieler Politikernamen einsetzen -- und die Namen vieler Wirtschaftsprofessoren. Krugmans Zweifel teile ich. Schuldenreduktion wird nicht als etwas betrachtet, was etwas sinnvolles bewirken soll, sondern ist für die bewussten wohlbetuchten Herren (und einige Damen) reiner Selbstzweck, besonders, was andere Länder betrifft. (Zu Reinhart-Rogoff siehe auch hier.)

Montag, 18. Februar 2013

Krugman und der Mindestlohn

In einem Beitrag aus dem Jahr 1994 hat Paul Krugman die "Krugman-Hypothese" formuliert, die bis heute im Hintergrund vieler Überlegungen steht. Sie besagt, dass der technische Fortschritt, den wir erleben, qualifikationsverzerrt ist (sogenannter "skill-biased technological change"). Die Krugman-Hypothese besagt, dass der technische Fortschritt zu einer erhöhten Nachfrage noch hochqualifizierten Arbeitskräften und zu einem geringeren Bedarf an weniger qualifizierten Arbeitskräften führt. Deshalb entsteht eine zunehmende Lohnspreizung: Die Spanne zwischen den hohen und den niedrigen Löhnen wächst stetig.

Die zunehmende Lohnspreizung ist etwas, was wir tatsächlich beobachten. Sie ist dramatisch. Ich selbst habe zwar damals die Erklärung der zunehmenden Lohnspreizung über qualifikationsverzerrten Fortschritt nie recht geglaubt, aus arbeitsmarkttheoretischer Sicht kritisiert  und später eine andere Theorie entwickelt, aber bleiben wir einmal bei Krugman's seinerzeitiger Überlegung. Sie diente ihm wesentlich dazu, die damalige unterschiedliche Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den USA und Europa verständlich zu machen.

Die Arbeitslosigkeit nahm damals in Europa  stetig zu, blieb aber in den USA auf einem "normalen" Niveau. Zugleich nahm die Lohnspreizung in den USA deutlich zu, was in Europa (damals) nicht in gleichem Ausmaß der Fall war. Krugmans Erklärung für diese Divergenz war, dass aufgrund des qualifikationsverzerrten technischen Fortschritts die Löhne der Hochqualifizierten zunehmen und die Löhne der Gerinqualifizierten abnehmen müßten, um den Arbeitsmarkt in allen Segmenten zu räumen. Wegen der relativ freien Arbeitsmärkte in den USA fanden diese Anpassungen dort auch statt, in den Wohlfahrtsstaaten Europas bestand aber eine effektive Untergrenze bei den Löhnen, sodass die Anpassung bei den Geringqualifizierten nicht erfolgen konnte. Die Löhne für die Geringqualifizierten konnten nicht so weit fallen, um auch in diesem Bereich Vollbeschäftigung zu sichern. Deshalb bildete sich, so Krugman, eine zunehmende Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten. Die Zunahme sei eine Mindestlohnarbeitslosigkeit. Er faßte seine These kurz und bündig in den Worten zusammen: "In Amerika gibt es im Supermarkt Mitarbeiter, die die Einkäufe in Tüten packen. Das ist zwar eine einfache Tätigkeit, die nicht sehr gut bezahlt wird. Aber es ist doch immer noch besser, als arbeitslos zu sein." (FAZ vom 14.10.1999; siehe auch meine seinerzeitige Stellungnahme dazu hier).

Die Krugman-These war die Grundlage für die unsäglichen Schröder-Reformen und wurde von der Fachwelt weitgehend unterstützt. Im Hamburger Appell aus dem Jahre 2005 forderte die überwältigende Mehrheit der deutschen Wirtschaftsprofessoren ein Festhalten an der Schröderschen Politik, was ja unter Merkel auch geschehen ist, aber vielleicht unter Schröder extremer und unsozialer ausgefallen wäre.

Die These wurde vornehmlich von Wissenschaftlern unterstützt, die keine spezifische Kenntnis von Arbeitsmarkttheorien hatten oder jedenfalls die Funktionsweise des Arbeitsmarktes völlig analog zur Funktion von Gütermärkten sahen. Das galt auch für Krugman. Ich habe diese These aus arbeitsmarkttheoretische Sicht stets für verfehlt gehalten uns kritisiert (z.B. hier und hier).

Mittlerweile hat Krugmans seine Einschätzung aber drastisch geändert. In seiner neuesten New York Times-Kolumne spricht er sich für eine Anhebung der Mindestlöhne in den USA aus. Dies würde die Nachfrage steigern und, wie empirische Studien zeigen, keine wesentlichen negativen Beschäftigungskonsequenzen haben.

Konsequent wie er ist fügt er dann an:
Warum ist das so? Das ist Gegenstand der aktuellen Forschung, aber ein Thema aller Erklärungen ist, dass Arbeiter keine Tonnen von Getreide sind, und auch keine Appartements in Manhattan. Sie sind Menschen. Die sozialen Interaktionen, die im Zusammenhand mit Einstellungen und Entlassungen (hiring and firing)  stattfinden sind notwendigerweise komplexer als die, die in normalen Gütermärkten auftreten. Ein Nebenergebnis dieser menschlichen Komplexität scheint zu sein, dass bescheidene Lohnsteigerungen für die Geringverdiener nicht notwendigerweise die Anzahl der Arbeitsplätze reduziert.
Das ist natürlich aus arbeitsmarkttheoretischer Sicht ziemlich schwammig und auch nicht ganz up-to-date. Auch sind diese Probleme seit langem schon Gegenstand der theoretischen Forschung, nicht nur neuerdings. Aber immerhin: Es wird zur Kenntnis genommen, dass der Arbeitsmarkt grundsätzlich anders funktioniert als irgendein Gütermarkt im Lehrbuch.