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Sonntag, 8. Dezember 2019

Pasinetti, Piketty und Vermögenssteuer - Nachtrag

In einem früheren Eintrag hatte ich zur Wirksamkeit einer Vermögenssteuer zwecks Reduzierung der Einkommens- und Vermögenskonzentration kitisch Stellung genommen und meine Position ausführlich erläutert. Insbesondere hatte ich kritisch angemenrkt:
Eine Vermögenssteuer führt .... lediglich zu einer Erhöhung des Zinses um den Betrag der Steuer, sodass die Netto-Zinserträge unverändert bleiben und lediglich die Kapitalnutzungskosten erhöht werden, was die Reallöhne drückt.
Diese These beruht auf der Annahme, dass eine höhere Ersparnis zu zusätzlicher Kapitalbildung führt was die Verzinsung der Vermögen und damit die Vermögenserträge reduziert. Dieser Mechanismus scheint aber empirisch gegenwärtig nicht wirksam zu sein. Wir haben total niedrige Zinsen, aber die Investitionsnachfrage wird nicht erhöht, und damit auch nicht die Kapitalbildung. Die Vermögenserträge werden nicht gedrückt, auch wenn die Zinsen niedrig sind. Vielmehr besteht weiterhin eine große Diskrepanz zwischen Zinsniveau und Vermögenserträgen. Damit funktioniert der beschrieben Mechanismus nicht, aus welchen Gründen auch immer, egal ob man von "Sparschwemme" oder "Geldschwemme" spricht. Insofern trifft meine Kritik nicht  zu. Unter diesen Bedingungen scheint mir vielmehr eine Vermögenssteuer sinnvoll, um den Vermögenskonzentrationsprozeß zu dämpfen. Das in dem früheren Eintrag erläuterte Argument wird erst dann wieder greifen, wenn die Diskrepanz zwischen Zinsniveau und Vermögenserträgen verschwunden ist, was in der Makroökonomik typischerweise angenommen wurde, so auch in meinem Beitrag von 1976.

Montag, 20. Oktober 2014

Ein interessanter und bedenkenswerter Vorschlag

Giacomo Corneo, Professor für öffentliche Finanzen and der Freien Universität Berlin, macht einen interessanten Vorschlag zur Bekämpfung der zunehmeneden Ungleichheit und sich ständig verschärfenden Vermögenskonzentration. Hier die Zusammenfassung seines Artikels:
In „Le capital au XXIème siècle“ plädiert Thomas Piketty für eine drakonische Kapitalbesteuerung, um das Auseinanderdriften der Vermögen zu stoppen. Aber wegen ihrer schädlichen Anreizwirkung sind die von ihm anvisierten Steuersätze zu hoch. Eine Kombination aus niedrigeren Steuersätzen und einer aufgewerteten Rolle des öffentlichen Eigentums ist der Politikempfehlung Pikettys überlegen. Ein staatlicher Investitionsfond und ein Bundesaktionär sind die passenden Institutionen, damit das öffentliche Eigentum zu einer tragenden Säule der Wirtschaftsordnung des 21. Jahrhunderts werden kann.
Seine Kernüberlegung ist:
Wenn sehr hohe Kapitalsteuern wegen ihrer negativen Anreizwirkung ausfallen und dennoch die Vermögenskonzentration als zu hoch bewertet wird, sollte die Umverteilung schon vor dem Steuerzugriff ansetzen. D.h.: bei der Inanspruchnahme der Kapitaleinkommen. Dies ist möglich, sobald sich ein ausreichender Teil des Kapitals der Volkswirtschaft im öffentlichen Eigentum befindet. Denn die entsprechenden Kapitalerträge können in diesem Fall vollkommen gleichmäßig durch eine soziale Dividende an alle Bürger verteilt werden, womit der zunehmenden Ungleichheit entgegen gewirkt wird....
Eine gute Idee!  Kuwait, Norwegen und andere (meist nicht demokratische) Staaten machen das wohl schon. Was spricht eigentlich dagegen? Just Maastricht, stupid. Denn
Betrachten wir einsteigend das Problem der Bildung des öffentlichen Kapitals. Hierzu bedarf es keiner Enteignung. Der Staat kann an das erforderliche Kapital in Form z. B. von Aktienvermögen über Markttransaktionen kommen. Finanziert werden seine Aktienkäufe durch die Emission von staatlichen Schuldtiteln. Bei einem solventen Staat wie Deutschland sind seine Finanzierungskosten sehr niedrig, sodass die Kosten der damit einhergehenden Neuverschuldung mit einem kleinen Teil der aus dem Aktienvermögen erwirtschafteten Kapitalrendite gedeckt werden können. Wenn beispielsweise diese Kapitalrendite 6 % und der Zins auf Staatspapiere 1,5 % betragen, reicht ein Viertel der Kapitalrendite aus, um die Refinanzierungskosten zu decken. Tatsächlich könnte der Staat eine weitaus höhere Rendite erzielen und bei einem solventen Staat, der sich zum risikolosen Zins finanziert, bliebe ihm nach Zinszahlung die volle Risikoprämie übrig.

Übrigens war der klassische Finanzwissenschaftler Justi bereits 1762 der folgenden Meinung:
Der Aufwand des Staates muss zuförderst aus seinem unmittelbaren Vermögen bestritten werden.
Darüber wird heute kaum gesprochen; warum eigentlich nicht? Die bayerischen Staatsforsten sind doch, wie ich höre,  ziemlich profitabel!