Dienstag, 4. Dezember 2012

Nord-Währung und Süd-Währung?

Christian Wolf hat auf einen interessanten Beitrag von Heiner Flassbeck zur Euro-Krise hingewiesen. Heiner Flassbeck hat schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass die Lohnkosten in Europa ständig  auseinander driften und betont, dass diese Entwicklung zwangsläufig zu massiven Schwierigkeiten führt, wie wir ja heute deutlich sehen. Das Problem kommt dadurch zustande, dass die Arbeitsmarktorganisation in den verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich ist. Dies führt zu divergierenden Lohnkostenentwicklungen die dann die Probleme erzeugen, mit denen wir gegenwärtig konfrontiert sind.

Flassbeck hat die Hoffnung aufgegeben, dass das Problem vernünftig gelöst werden kann und empfiehlt, die gemeinsame Währung aufzugeben:
Also kann man nur allen zurufen: Trennt euch. Statt weiter an dem unverdaulichen Brei zu würgen, den Deutschland den anderen Ländern verschrieben hat, sollten sie (womöglich einige gemeinsam) alle Kraft darauf verwenden, halbwegs geordnet auszusteigen. Weil das technisch extrem schwierig und langwierig ist, muss man vorübergehend mit Notstandsmaßnahmen europäische Oberziele, wie die Freiheit des Kapital- und Güterverkehrs, aussetzen. Wichtigstes Ziel aller aussteigenden Länder muss es allerdings sein, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen, was nur mit einer massiven Abwertung der neuen Währung gegenüber der neuen D-Mark oder der neuen Nord-Währung geht.
Ich würde hier zu bedenken geben, dass die Einführung einer regionalen Lohnindexierung möglicherweise einfacher zu administrieren ist und den Vorteil einer gemeinsamen Währung aufrecht erhält. Also: Statt eine Süd-Wahrung einzuführen wird eine Süd-Lohneinheit eingeführt. Alle Arbeitsverträge im Süden müssen in der Süd-Lohneinheit abgeschlossen werden. Die europäische Zentralbank, oder auch eine andere unabhängige Institution, bestimmt den Wechelkurs zwischen Euro und Süd-Lohneinheit so dass die Wettbewerbsfähigkeit der Süd-Gruppe gesichert ist. Gleiches gilt für den Norden: Eine Nord-Lohneinheit, statt einer Nord-Währung, aber alle Zahlungen, im Süden wie im Norden, erfolgen in Euro.

Hier müsste man nicht die Freiheit des Güter- und Kapitalverkehrs einschränken. Auch vermeidet man das Problem, dass die Nord-Währung zur inoffiziellen Währung im Süden wird. (In verschiedenen Ländern gab es solche Probleme. Ich selbst erinnere mich, dass ich während eines Aufenthalts in Moskau zur Zeit von Jeltzin praktisch nur mit D-Mark zahlen konnte.)

Wenn in Europa vernünftige Lohnkostenrelationen etabliert werden, wird es ohnehin Probleme geben. Flassbeck bemerkt dazu:
Auf Deutschland rollt bei diesem Szenario ein wirtschaftlicher Tsunami der höchsten Kategorie zu. Da inzwischen mit etwa 50 Prozent Exportanteil (am Bruttoinlandsprodukt) extrem exportabhängig, wird eine starke Aufwertung der deutschen Währung die Wirtschaft für viele Jahre zurückwerfen und Millionen Arbeitsplätze kosten.
Dies Problem wird sich so oder so (mit Nord-Währung und Süd-Währung oder bei regionaler Lohnindexierung) stellen. Mit regionaler Lohnindexierung ist die notwendige Anpassung aber politisch besser beherrschbar und weniger anfällig gegen allfällige Spekulationsattacken.  Außerdem kann natürlich durch Ausweitung der heimischen Nachfrage, etwa per Steuersenkung, die ausgefallenen Auslandsnachfrage ersetzt werden. Es ist ohnehin ungesund, wenn wir andauernd mehr exportieren als importieren und am Ende die erwirtschafteten Aussenhandelsüberschüsse entwertet werden oder abgeschrieben werden müssen.

Kommentare:

  1. Nord-Lohneinheit und Süd-Lohneinheit
    Eine sehr gute Idee. Leider ignoriert die Politik (auch die Entscheidungsträger an anderen Stellen, EZB etc.) realistische Änderungsvorschläge, sondern setzt in der gegenwärtigen Finanzmarktkrise lieber opportunistische, eigenzentrierte Interessen um.
    ..“dass die Arbeitsmarktorganisation in den verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich ist.“ Dies liegt vielleicht bei den Südländern weniger an echten wirtschaftlichen Faktoren, sondern mehr an einer tradierten und kulturell bedingter Wirtschaftsvorstellung, die nicht mit der der Nordländer kompatibel ist.
    Daher wäre die hier vorgeschlagene Bildung einer Nord-Lohneinheit und einer Süd-Lohneinheit eine gute Teilung, da, ohne die Währung aufgeben zu müssen, so in den Südländern die dringend nötige Abwertung möglich wäre.
    Der momentan eingeschlagene Weg in den EU-Südländern, Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen, Senkung der Renten etc., um die Anforderungen des IWF etc. für die laufende Kreditvergabe zu erfüllen, wird vermutlich mittelfristig und langfristig nicht durchzuhalten sein (s.o kulturelle Unterschiede).
    Ulrich Fielitz

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    1. Sie schreiben:

      "Der momentan eingeschlagene Weg in den EU-Südländern, Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen, Senkung der Renten etc., um die Anforderungen des IWF etc. für die laufende Kreditvergabe zu erfüllen, wird vermutlich mittelfristig und langfristig nicht durchzuhalten sein (s.o kulturelle Unterschiede)."

      Ich stimme Ihnen zu. Aber selbst dann, wenn das bis zum bitteren Ende durchgehalten werden könnte bedeutet das menschliches Leid in großem Ausmaß, eine Bestrafung einer ganzen Generation von jungen Leuten, die nichts zu der problematischen Lage beigetragen haben, und eine drastische Vergeudung von Ressourcen, wie sie nicht einmal in den seinerzeitigen sozialistischen Volkswirtschaften zu finden war.

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    2. "Bestrafung einer ganzen Generation von jungen Leuten"
      Sie haben vollkommen recht. Die Arbeitslosigkeit der spanischen Jugend hat ihren Höhepunkt vermutlich noch gar nicht erreicht (s.a. aktuelle Sparmaßnahmen, Mehrwertsteuererhöhung Dezember 2012 um 3 Punkte etc. etc.).
      Die faulen Immobilienkredite sind noch nicht einmal komplett bilanziert. Dafür sind die Shareholder gut weggekommen (die von Bankia mal ausgenommen).

      Der Wettbewerb der Gauner (Hoppe)......?

      Ulrich Fielitz

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