Donnerstag, 5. Juli 2012

Die missverstandene Ricardianische Äquivalenz (4): Die These ist falsch

Beim Verfassen meine Blog-Einträge zur Ricardianischen Äquivalenz, beginnend mit  diesem, ist mir aufgefallen, dass die  normalerweise vorgebrachte Argumentation problematisch ist. Ich habe mir daraufhin ein einfaches Beispiel überlegt, in dem die These klar unzutreffend ist. Ich habe dazu einen kleinen Aufsatz geschrieben und im Februar bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift eingereicht. Man kann das hier einsehen.

In diesem Blog habe ich zu diesem Thema eine Sendepause eingelegt um den Begutachtunmgsprozess Zeit zu lassen. Da passiert aber nichts. Die (m.E. sehr kompetenten) Gutachter haben keinen Fehler in meiner Argumentation gefunden, bleiben aber weiterhin von der theoretischen (wenn auch nicht praktischen) Gültigkeit der Äquivalenzthese überzeugt. Der zuständige Herausgeber hat sich noch nicht geäussert. Deshalb nehme ich mir nun doch die Freiheit, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Herleitung von Barro einen elementaren Fehler enthält: Die Zinszahlungen auf Staatsschulden, die die Privaten erhalten, werden  bei deren verfügbaren Einkommen nicht berücksichtigt. Tut man dies, und das entspricht den Standarddefinitionen und ist sinnvoll, so ist die Äquivalenzthese direkt verletzt. Dagegen ist es nicht sinnvoll anzunehmen, dass die Privaten Staatspapiere kaufen und die Verzinsung dieser Papiere nicht als Einkommen rechnen, wie Barro dies implizit unterstellt. Der Fehler ist nur durch die eigenwillige Darstellung nicht recht transparent und ist deshalb wohl so lange -- nahezu vierzig Jahre -- nicht gesehen worden. Es ist fast ein Witz: Die theoretische Grundlage für Austerity ist fehlerhaft.

Nachtrag (24.11.2013) Tatsächlich war meine Argumentation bezüglich der Ricardianischen Äquivalenzthese fehlerhaft. Ich bin einem Fehler in  einer von Barros Arbeiten aufgesessen. The Ricardianische Äquivalenzthese ist tatsächlich zutreffend. Ich habe ein entsprechendes Erratum geschrieben in dem ich meinen Fehler klarstelle. Diese Notiz wird demnächst in Metroeconomica erscheinen. Ich bitte bei den Lesern dieses Blogs ebenso wir bei den beteiligten Herausgebern und Gutachtern um Entschuldigung und werde meinen Irrtum demnächst in einem Blog nochmals klarstellen..  

Kommentare:

  1. Gibt es eine working-paper version ihres Aufsatzes?

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank für die Nachfrage. Ich hatte es im Text verlinkt. Hier noch einmal die expliziten Links:

    Die neueste Version finden Sie hier:
    http://www.economics-ejournal.org/economics/discussionpapers/2012-13/comment.2012-06-30.5001626602/at_download/file

    Die erste Version des Aufsatzes, zusammen mit den Gutachten und meinen Antworten, finden Sie hier
    http://www.economics-ejournal.org/economics/discussionpapers/2012-13?searchterm=schlicht

    Wie sie sehen finden die Gutachter keinen Fehler in meinem Beispiel, bleiben aber dennoch von der theoretischen Richtigkeit der Barro-Ricardo These überzeugt und schlagen andere Beispiele vor, in denen die These stimmen könnte. Das ändert natürlich nichts an meinem Beispiel. In meinen Antworten bin ich dem trotzdem nachgegangen und zeige, dass sich auch so die These nicht retten läßt.

    AntwortenLöschen